Theater aus den Fugen // Gastspielreihe

  • 18:00

18:00 Uhr, Saal MAD(E) IN BIELEFELD
Fembäm (Bielefeld) „Refugium“
REFUGIUM – das steht für Sicherheit und Fortschritt. Die Pläne dieses Regierungsprojektes sind streng geheim und seine Testpersonen gut geschützt. Doch dann verschwinden wichtige Standortdaten und das Projekt ist in Gefahr.
Beinharte Kerle mit coolen Sprüchen in brenzligen Situationen, Schurken mit ausgeklügelten Masterplänen zur Weltvernichtung, dekorative Frauen in Nöten – das Actiongenre ist voll von Klischees und fragwürdigen Stereotypen. Das fünfköpfige Performancekollektiv FEMBÄM widmet sich in seiner Uraufführung Refugium diesem Genre, um bisherige Sehgewohnheiten zu hinterfragen und neue Perspektiven zu bieten.

 

19:00 Uhr, Studio 1
Arne Vogelgesang  „Flammende Köpfe“

Am 18. Februar 2016 brüllte im sächsischen Clausnitz ein „asylkritischer“ Mob einen Bus mit Geflüchteten vor einer Unterkunft nieder. Eine Woche später veröffentlichte Stern TV ein Interview mit Wolfram Fischer, der als Dolmetscher im Bus mitgefahren war. Fischer sprach darin nicht von einer Menschenmenge, die den Bus attackiert habe, sondern bezeichnete sie als eine „Menge von Köpfen“. Hassende, schreiende Köpfe.

Das sprachliche Bild passte zu einem in dieser Zeit populär gewordenen Phänomen radikaler Internetpropaganda: Videobotschaften politischer Aktivistenköpfe, z.B. auf YouTube. Deutsche Konvertiten drohten deutschen Bürgern die Enthauptung an. Deutsche Bürger träumten von der Guillotinierung der politischen Obrigkeit. In diesen Mischformen aus Video-Blog und politischer Rede am virtuellen Stammtisch spielten Köpfe und Gesichter die entscheidende Rolle. Sie waren die Träger bürgerlicher Persönlichkeit, die ihr Spiegelbild in der Webcam agitiert.

In welchem Kontext entwickelte sich diese neue Form politischer Subjektivierung? Welche Verhaltensweisen und Rollenmuster brachte sie hervor? In welches strategische Kalkül ordnete sie sich ein? Mittels Vlogs, Propaganda, Musik, dokumentarischem Material und einem wachsenden Chor von Avataren erzählt „Flammende Köpfe“ die noch junge Geschichte rechter Wortergreifung im Netz.

Von und mit: Arne Vogelgesang (internil). Co-Regie: Wiebke Rüter. Produziert vom Schauspiel Dortmund, Gastspielfassung mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung.