Zwischenbemerkungen PDF Drucken E-Mail

Zwischenbemerkung 1 (von Siegmar)

Letztens sah ich mal kurz nach dem Wetterbericht, da ich ja am nächsten Tag wieder Ski fahren wollte und ich komme auf einen amerikanischen Fernsehkanal, bei dem ich Zeuge werde, wie sich zwei Menschen verprügeln. Es scheint kein Showkampf zu sein wie Catchen sondern eine andere Sportart. Man darf sich dabei mit Boxhandschuhen überall hinschlagen, mit den Füßen treten und ringen, ein sehr archaischer Kampf. Aber Sport? Meine Aufmerksamkeit für diesen Kampf ließ nach 30 Sek. nach und ich wollte bereits umschalten, da hatte der eine Kämpfer eine blutende Nase. Ich fragte mich dann, warum der Kampf nicht abgebrochen wurde, weil der Reporter auch der Meinung zu sein schien, dass er wahrscheinlich eine gebrochene Nase haben müsse. Es wurde aber weitergekämpft und das Blut lief in Strömen. Das Gesicht des einen wurde rot, der Körper des anderen färbte sich auch zunehmend. Das Blut quoll nun auch aus dem Mund, nachdem der stärkere Kämpfer dem anderen noch ein paar Mal auf die Nase gehauen hatte. Die Oberkörper beider Kämpfer waren mittlerweile blutbeschmiert und es war noch kein Ende des Kampfes abzusehen. Die Uhr zeigte noch zwei weitere Minuten an, die zu kämpfen waren, das Blut floss wie in einem archaischen Opferritual und niemand brach diesen Kampf ab. Das Publikum johlte, der Reporter nahm es als völlige Normatität und ich schaltete noch vor Ende der Runde den Fernseher ab und stellte mir folgende Frage: Wenn ich diese Szene als Theater in Bielefeld inszenieren würde und mit ein bisschen Kunstblut herumschmieren würde, würde das doch mit Sicherheit als Provokation aufgefasst. Mein zweiter Gedanke dazu war, dass in den USA eine Sendung, in der ein Tier eine vergleichbare Situation durchleben müsste, bereits nach wenigen Stunden durch einen Protest der Tierschützer abgesetzt würde.Meine dritte Überlegung handelte von der amerikanischen Doppelmoral, die ich noch weniger verstehe als die der Katholiken. Jedes „Fuck“ wird im Fernsehen durch einen niedlichen Piepston ersetzt, aber gleichzeitig werden blutige Gewaltorgien feilgeboten. Natürlich ist dieser Teil Kanadas auch sehr von der US-Amerikanischen Kultur beeinflusst, so dass man auch auf einiges stößt, was für einen Europäer nicht so angenehm ist. Wenn man z.B. in irgendeinem Geschäft vom Verkäufer so begrüßt wird wie ein alter Freund, den man lange nicht gesehen hat: „How are you doing today?“, das verstört einen Ostwestfalen doch ein wenig und man ist nicht sehr geneigt, einem Wildfremden über seine persönlichen Befindlichkeiten Auskunft zu geben. Wir sind jetzt sehr gespannt darauf, ob wir in Montreal Europa wieder näher kommen und wir uns wieder heimischer fühlen.

Thomas Schussbemerkung 4.2.09    Nach 3 Wochen nun ein Lebenseichen von mir. Auch ich bin also hier in Kanada gelandet. Montreal als 4. Ort unterscheidet sich kollossal von den anderen Staedten. Alles viel europaeischer. Alles feucht kalt. Aber nachdem ich am Lake Louise in den Rockies in einen kraeftigen Schneesturm geraten war, kann mich nichts mehr kratzen. Die Kanadier haben uebrigens eine lustige Methode, mit Skiern den Berg 'runter zu pesen. Sie nehmen LSD und fahren im Schuss...Ich habs mit eigenen Ohren gehoert!